Aktuelle Informationen

Jun 2

Reichen eien ambulante Polygraphie und eine Autotitration zur Einstellung einer CPAP-Therapie?

Sind Messungen im Schlaflabor wirklich notwendig? Mit dieser Frage wurden 373 Patienten untersucht, Apnoe-Hypopnoe-Index bei einer Polygraphie > 15/h, und Tagesschläfrigkeit (Epworth-Skalenwert größer 11 Punkte, und großer “adjustierter Halsumfang”: wahrer Halsumfang, + 3 cm bei Schnarchen, plus 3 cm bei unregelmäßger Nachtatmung, + 4 cm bei arteriellem Hypertonus.

Die Ergebnisse waren bei rein ambulanter Diagnostik und CPAP-Einstellung den Daten der Schlaflabordiagnostik und Therapieeinleitung vergleichbar.

Aber: Lediglich etwa die Hälfte der Patienten kam nach gründlicher Prüfung (erneute Polygraphie) für die Untersuchung in Frage. Und: die Eingangskriterien erfüllten nur Patienten mit hoher “Prätest-Wahrscheinlichkeit” - also Schnarchen/fremdbeobachtete Atmungspausen/Übergewicht (hoher Halsumfang) plus deutliche Tagesschläfrigkeit. Außerdem: ausgeschlossen waren Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis, Herzschwäche, neuromuskulären erkrankungen, Restless-Legs-Syndrom, Ein- und Durchschlafstörungen, und weitere Gründe (s. Veröffentlichung).

Fazit: für die meisten Patienten ist die Diagnostik und /oder Therapieeinleitung im Schlaflabor unumgänglich.

Rosen CL et al. Sleep 2012;35:757-767 


Kurzer Schlaf erhöht das Diabetes-Risiko

Im Schlaf ist der sogenannte Sympathikotonus geringer als am Tag, somit sind auch Gegenspieler des Insulins nachts in geringerer Konzentration meßbar. Es ergibt sich daher die Frage, ob kurzer Schlaf das Risiko für eine Zuckerkrankheit erhöht.

Es wurden 21 gesunde Personen über insgesamt 39 Tage untersucht, im Schlaflabor, in Einzelzimmern, ohne Kenntnis der jeweiligen Tageszeit. Über 5 Tage mussten sie 16 Stunden pro Tag im Bett verbringen, Schlafdauer nach Bedarf. In den folgenden 3 Wochen Schlafdauer maximal 5,6 Std/24 Stunden, wobei aber die Tage 28 Stunden dauerten (Verschiebung des Circadianrhythmus). Über weitere 9 Tage durfte wieder bis zu 10 Stunden pro Tag geschlafen werden.

Schlafmangel und Störung des Circadianrhythmus beeinträchtigte die Insulinausschüttung, sie verminderte sich um etwa 12% (basal und postprandial(nach dem Essen)), die Blutzuckerspiegel waren erhöht. Damit wäre langfristig eine Gewichtszunahme zu erwarten, in diesen Fällen um etwa 4,5 kg in einem Jahr. In der 9-tägigen “Erholungsphase” normalisierten sich die Stoffwechselveränderungen.

(Buxton OM, et al. : Adverse metabolic consequences in humans of prolonged sleep restriction combined with circadian disruption. Sci Transl Med 2012;4:29ra43.


May 13

Im kühlen Schlafzimmer ist eine Schlafapnoe ausgeprägter, aber der Schlaf besser

Es wurden der Schlaf und die Atmung bei Patienten (15 fareun, 25 Männer, Alter 59.6 ± 9.4 Jahre, Body Mass Index 28.8 ± 4.4 kg/m2, Epworth Sleepiness Scale  9.1 ± 4.3, “basaler” Apnoe-Hypopnoe-Index 19 ± 6/Stunde) mit obstruktiver Schlafapnoe bei verschiedenen Schlafraumtemperaturen verglichen: 16, 20 und 24 Grad Celsius. 

Der Apnoe-Hypopnoe-Index betrug 30 ± 17/h bei 16°C, 28 ± 17/h bei 20°C, 24 ± 17/ bei 24°C, nur die Anzahl der obstruktiven Apnoen war unterschiedlich. 

Die Schlafdauer hingegen betrug 428 ± 62 min bei 16°C, 420 ± 66 min bei 20°C, und 397 ± 70 min bei 24°C. Entsprechend war auch die Schlafeffizienz besser bei 16°C verglichen mit 24°C, (77 ± 11% und 71 ± 13%).

Die Ursache ist schwer zu erklären.Vielleicht spielen Kälterezeptoren in den oberen Atemwegen und dadurch ausgelöste Reflexe und Tonisierungen (Muskelspannungen) des rachenerweiternden M. genioglossus eine Rolle.

(Valham F et al. SLEEP 2012;35(4):513-517)


Hilft Telemedizin zur Verbesserung der CPAP-Nutzung (in Kanada)?

Die Antwort ist ja. Die tägliche Nutzungszeit betrug 191 Minuten, wenn jeden Tag vom CPAP-Gerät Nutzungsdaten wie Nutzungsdauer, Leckagen und Atmungsstörungen an eine Homepage übertragen wurden. Ohne diese Meldungen lag die Nutzungsdauer nur bei 105 Minuten. Verglichen wurden die Ergebnisse von 39 und 36 Patienten im Alter von 53.5 ± 11.2 Jahren mit einem Apnoe-Hyponoe-Index von 41.6 ± 22.1/Stunde. Trotzdem: die Nutzungszeiten sind viel zu kurz, und für hiesige Verhältnisse ein Ablehnungsgrund für Kostenübernahmen! Vermutlich gab es keine weitere effektive Betreuung wie Maskensprechstunden etc., wie es hier Standard ist.  (Fox N et al.  SLEEP 2012;35(4):477-481)


Hirnveänderungen bei Schlafapnoe

Mit Hilfe einer neuen Technik, der Magnetresonanzspektroskopie, wurden detaillierte Aufnahmen von Gehirnen von 30 Patienten mit unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe mit denen 25 altersähnlichen Kontrollpersonen verglichen.Es zeigten sich Unterschiede im Frontalhirn (Ort des problemlösenden und vorausschauenden Denkens und von Teilen der Emotion) und im Hippocampus (zentraler Ort der Gedächtnisbildung für den Übergang Kurzzeit-/Langzeitgedächtnis). Je tiefer die Sauerstoffsättigung gemessen wurde, desto ausgeprägter waren die Veränderungen. (O’Donoghue FJ et al. SLEEP 2012;35(1):41-48.


May 2

CPAP bessert Schlafapnoe-bedingte Herzmuskelveränderungen

Eine obstruktive Schlafapnoe kann durch die nachts erhöhte Herz-Kreislaufbelastung zu Umbauvorgängen am Herzen führen. Sind diese Veränderungen (teil-)reversibel? Unter dieser Frage wurden bei 47 Patienten vor und unter einer CPAP-Therapie untersucht. Es zeigte sich bei Herzultraschalluntersuchungen (Echocardiographie) bereits nach 3 Moanten und ausgeprägter nach 12 Monaten, dass die linke Herzhauptkammer kleiner wurde, dass die vorher übermässige Muskelmasse zurückging und dass der Blutdruck im Lungenkreislauf sank - insgesamt positive Entwicklungen.  (Colish J et al. CHEST 2012; 141:  674-681)


Schlafapnoe und OP-Risiken

Wenn ein Patient mit einer Schlafapnoe operiert wird, ist das Risiko für eine nach der OP auftretende Komplikation 6,9-fach erhöht, ebenso wie die Notwendigkeit einer Versorgung auf der Intensivstation (4,43-fach). Dies ergab eine Untersuchung von 282 Patienten mit Schlafapnoe, verglichen mit 189 Kontrollpersonen. (Kaw R et al. Chest 2012;141:436-441)

Daher sollten die behandelnden Ärzte vor einer Operation, gleich welcher Art, immer über eine Schlafapnoe informiert werden.


Apr 18

Haben auch Frauen mit Schlafapnoe ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen?

Die Antwort ist ja, das Risiko ist ebenso hoch wie bei Männern mit obstruktiver Schlafapnoe. Und es zeigte sich, das CPAP das Risiko erheblich senkt. Zur Beantwortung dieser Frage untersuchten spanische Forscher, mit welchem Risiko Frauen mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index zwischen 10-29/Stunde bzw. mit mehr als 30/Stunde verglichen mit denjenigen ohne Schlafapnoe an Herz-Kreislauferkrankungen verstarben. Die Daten von 1136 Frauen wurden über im Mittel 3 Jahre ausgewertet. Verglichen mit der Kontrollgruppe hatten diejenigen mit mehr als 30 Ereignissen/Stunde ein 3,5-faches Risiko, bei 10-29/ Stunde ein 1,6-faches Risiko, bei mit CPAP behandelter schwergradiger Schlafapnoe ein nur 0,55-faches Risiko und bei mit CPAP behandelter mittelgradiger Schlafapnoe ein 0,19-faches Risiko. (Campos-Rodriguez F et al. Ann Int Med 2012;156:115)


Mar 12

Bessert Sport eine Schlafapnoe?

Die Antwort ist ja, auch wenn Sport allein nicht ausreichend ist. Von 43 Personen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index von mindestens 15/h führten 27 4x/Woche ein Sportprogramm durch, insgesamt 150 Minuten/Woche. Alle anderen machte alle 2 Wochen Stretching-Übungen. Der Apnoe-Hypopnoe-Index fiel in der Sport-Gruppe von 32,2 auf 24,6/h, in der Stretching-Gruppe betrug er 24,4 und 28,9/h. Auch der Tiefschlafanteil sowie die subjektive Schlafqualität nahmen in der Sportgruppe zu. Das Körpergewicht blieb unverändert. Kline CE et al. Sleep 2011;34:1631:1640


Mar 5

Führen Schlafmittel zu Krebs?

Eine zur Zeit viel diskutierte Studie beschreibt für den Gebrauch von Schlafmitteln ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu sterben bzw. eine insgesamt erhöhte Todesrate. Es wurden die Daten von 10529 Patienten mit denen von 23676 Kontrollpersonen verglichen, mittleres Alter 54 Jahre, Beobachtungsdauer im Schnitt 2,5 Jahre. Bei Einnahme von Jahresmengen von  0.4–18 Tabletten, 18–132 und >132 Tabletten war die Todesrate der Patienten verglichen mit den Kontrollen 3.60-fach (2.92 to 4.44), 4.43-fach (3.67 to 5.36) und 5.32-fach (4.50 to 6.30) erhöht.Die Autoren beschreiben keinen Unterschied der Sterblichkeit bei verschiedenen Grundkrankheiten und schließen daraus, daß die Mortalität durch die Schlafmittel verursacht wird.

Man muß die Daten sehr kritisch sehen. Schlafmittel werden eingenommen, wenn Schlafstörungen auftreten. Krankheiten können sich beim einzelnen Patienten sehr unterschiedlich auswirken, so daß der eine Schlafmittel benötigt, der andere nicht. M.E. spiegelt die Notwendigkeit der Schlafmitteleinnahme eher verschieden schwere Stadien einer Krankheit, und die Sterblichkeit ist Folge der Ausprägung der Grundkrankheit und nicht der Schlafmitteleinnahme. Es ist zudem schwer zu verstehen, daß Schlafmittel über einen relativ kurzen Zeitraum der Einnahme zu Krebs führen sollen, wenn wir die üblichen Theorien der Krebsentstehung zugrunde legen.

(Krippe F. et al.  <!— @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } —Hypnotics’ association with mortality or cancer: a matched cohort study.

BMJ Open 2012;2:e000850 doi:10.1136/bmjopen-2012-000850)


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